Betrachtungen
Wahre Wissenschaftler sind Erben der Propheten
Die Propheten brachten den Menschen das Wissen über Moral und Gott, die Wissenschaftler das Wissen über die Gesetze des Weltalls. Die einen wie die anderen führen die Menschheit aus der Finsternis zum Licht.
Ich glaube, dass ein wahrer Wissenschaftler ein Erbe des Propheten ist. Nicht dem Rang nach, sondern der Berufung nach: die Menschen aus der Unwissenheit zum Licht des Wissens zu führen. In unserer Familie drückt sich das sogar in einem Namen aus — Ilm (Wissen) und Nur (Licht).
Wenn eine Entdeckung das Leiden der Menschen lindert oder ihren Verstand entwickelt, wird sie zum Dienst. In der islamischen Tradition gibt es den Begriff Sadaqa — eine nie endende Wohltat: Wissen, das die Menschen auch nach dem Tod des Gelehrten nutzen, bleibt eine solche Wohltat. Und der Verstand (Aql) ist die größte Gabe des Schöpfers; ihn in anderen zu entwickeln, ist der Weg der Weisheit.
Gefahr entsteht dort, wo materieller Konsum zum einzigen Ziel wird. Eine Gesellschaft, die ihren moralischen Halt verloren hat, verliert auch ihre Immunität gegen die Versuchung von Macht und Profit. Wissen ohne Gewissen rettet nicht — es bewaffnet.
Am deutlichsten zeigt sich das bei den neuen Technologien. Ein künstlicher Verstand könnte die Welt von Hunger, Krankheiten und Ressourcenmangel befreien — und das wäre eine große Wohltat. Doch dieselbe Kraft wird in den Händen der Gier leicht zu einem Werkzeug der Kontrolle und der Ungleichheit. Es liegt nicht an der Maschine, sondern am Menschen, der sie lenkt.
Die Geschichte lehrt, dass jede Wirkung eine Gegenwirkung hervorruft. Die Hoffnung liegt darin, dass das Wissen offen und allen gemeinsam bleibt, statt Eigentum weniger zu werden, und dass das Gewissen es lenkt und nicht das Kalkül. Wenn die Vernunft siegt und mit ihr jene prophetische Mission des Wissenschaftlers, wird jede Technologie zum Schild und nicht zum Gift.
Wir gestalten Geschichte mit unserem eigenen Verstand — wie es uns die Vorfahren vermacht haben.
Meine Erinnerungen an meinen Lehrer
Es war mir eine große Ehre, Schüler des legendären Wissenschaftlers, Pädagogen und Begründers der wissenschaftlichen Schule der Mechanik an der MGU zu sein — Chalil Achmedowitsch Rachmatulin (1909–1988). Große Menschen sind oft von Legenden umgeben, doch für mich war die reale Erfahrung der lebendigen Begegnung mit meinem Lehrer wichtiger.
Weltweite Anerkennung
Seine „Entlastungswellen“ wurden in der ganzen Welt studiert, auch in Princeton, wo Einstein lebte. Trotz aller Ehrungen — Held der Sozialistischen Arbeit, Träger der Stalinpreise (1945, 1949) und des Staatspreises (1981) — blieb er ein innerlich freier Mensch. Er konnte sich Ironie gegenüber dem System erlauben, dem er diente, weil er nicht der „Partei“ diente, sondern der Wissenschaft und der Wahrheit.
Über die Formel des Sozialismus
Am 11. Februar 1981 flog er nach Samarkand, an die Staatliche Universität Samarkand „A. Nawoi“ (SamGU), um mich nach Moskau an die MGU zu holen. Wir veranstalteten eine morgendliche Teerunde im Hotel „Intourist“, zu der namhafte Wissenschaftler Samarkands kamen. Einige Momente seiner Rede sind mir im Gedächtnis geblieben.
Damals schien vielen das System unerschütterlich. Doch er sah bereits „Risse im Fundament“. Als großer Wissenschaftler im Kreis der Seinen erlaubte er sich, aufrichtig zu sein und die Zeit ehrlich zu beurteilen — und sagte faktisch die Zukunft einer ganzen Großmacht voraus. Er ahnte das dramatische Ende unserer Heimat und fühlte bis zum letzten Tag Verantwortung für das Schicksal der Wissenschaft und des Landes. Gerade damals sprach er mit Schmerz davon, dass die schöpferische Energie in leere Ideologie abfließe, und sah die Absurdität mancher Dogmen durch das Prisma der strengen Mathematik.
Seine Besorgnis, die wir spürten, war für die besten Vertreter der technischen und wissenschaftlichen Elite jener Zeit kennzeichnend — aus mehreren Gründen:
- Technologischer Rückstand. Als jemand, der für Verteidigungsprojekte, Aerodynamik und komplexe Systeme (Fallschirme, Aerostaten, Wellenprozesse) verantwortlich war, sah er, dass die Bürokratie und die „Stagnation“ im Parteiapparat den wissenschaftlichen Fortschritt zu bremsen begannen. Die ironische Formel vom „Sozialismus minus Elektrifizierung“ war nicht bloß ein Scherz — sie war eine bittere mathematische Schlussfolgerung, dass die Ideologie nicht mehr durch reale Entwicklung gestützt wurde.
- Kritik an der Partokratie. Als Mann aus dem Volk (er hatte den Weg von der Arbeiterfakultät bis zum Akademiemitglied zurückgelegt) spürte Rachmatulin scharf die Kluft zwischen den Losungen der KPdSU und dem realen Leben. Seine Ironie gegenüber „manchen Parteimitgliedern“ im Jahr 1981 zeugt davon, dass er den Verfall der Parteispitze sah, die immer mehr aus Karrieristen und nicht aus Schaffenden bestand.
- Verantwortung für die Zukunft. Er erwähnte oft seinen Enkel Sascha im Zusammenhang mit „schwierigen Aufgaben“. Vielleicht galt seine Sorge um den Enkel nicht nur den Lehrbüchern, sondern auch der Welt, in der dieses Kind würde leben müssen, wenn die „Stagnation“ nicht von einem qualitativen Sprung abgelöst würde. Sein Enkel, Alexander Schamiljewitsch Rachmatulin, schlug später ebenfalls den wissenschaftlichen Weg ein, wurde mathematischer Physiker und setzte die Dynastie fort.
Warum es unter Muslimen wenige Nobelpreisträger gibt
Heute zählt man unter Muslimen etwa 15 Nobelpreisträger — bei 2 Milliarden Muslimen auf der Erde.
Laut Statistik der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIZ) geben muslimische Länder für Forschung und Entwicklung (FuE) im Durchschnitt nur etwa 0,81% ihres BIP aus. Zum Vergleich: Entwickelte Länder — die USA, Japan, Israel — investieren 2,5% bis 4,5% des BIP in die Wissenschaft.
Die experimentelle Wissenschaft (Physik, Chemie, Medizin) erfordert Investitionen in Milliardenhöhe in Labore, Collider und Supercomputer. In den meisten muslimischen Ländern gibt es eine solche Basis schlicht nicht.
Deshalb wandern talentierte Wissenschaftler ab. Praktisch alle Muslime, die einen Nobelpreis in den Naturwissenschaften erhielten — Abdus Salam (Physik), Ahmed Zewail, Aziz Sancar, Moungi Bawendi (Chemie) —, machten ihre Entdeckungen und bauten ihre Karriere an führenden Universitäten der USA und Europas auf.
Nobelpreiswürdige Entdeckungen entstehen dort, wo Gedankenfreiheit, harte Kritik an Autoritäten und die Unabhängigkeit der Universitäten von der Staatsideologie herrschen. In vielen muslimischen Ländern ist die akademische Freiheit durch politische Regime, Zensur oder religiösen Konservatismus eingeschränkt. Wissenschaftler sind oft gezwungen, sich mit angewandten Aufgaben des Staates statt mit grundlegender Theorie zu befassen.
Der größte Teil der von Muslimen erhaltenen Preise entfällt auf geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Bereiche:
- Friedensnobelpreis: mehr als die Hälfte aller muslimischen Preisträger — Jassir Arafat, Malala Yousafzai, Muhammad Yunus.
- Literatur: Nagib Machfus (Ägypten), Orhan Pamuk (Türkei), Abdulrazak Gurnah (Tansania).
- Naturwissenschaften (Physik und Chemie): insgesamt nur 4 Preisträger in der gesamten Geschichte. In Medizin und Wirtschaftswissenschaften gibt es bisher keine Preisträger.
Zur Frage technologischer Lösungen in der Uranproduktion Usbekistans
Einleitung
Stand 2026 verkündet die Uranindustrie Usbekistans ehrgeizige Pläne: Im Rahmen der staatlichen Strategie soll die jährliche Uranförderung bis 2030 auf 7 200 Tonnen gesteigert werden.
Die gesamten Uranvorräte im Untergrund Usbekistans werden offiziell auf 139 000 Tonnen geschätzt. Praktizierende Geologen und Ingenieure, deren Forschungen in der Zentralen Kysylkum durchgeführt wurden, kennen jedoch die verborgene Kehrseite dieser Zahlen. Die tatsächliche Ausbeutung der wichtigsten in Betrieb befindlichen Lagerstätten hat mehr als 40% erreicht, und die Daten des staatlichen geologischen Dienstes zu den Vorräten der Kategorie C1 wichen historisch um bis zu 20% von der strengen Betriebserkundung der Bergbauverwaltungen ab.
Probleme der modernen Uranindustrie
1. Kolmation und Erschöpfung der Erzschichten
Beim Abbau der Schichten ist das Resturan hauptsächlich in schwach durchlässigen, tonigen oder stark karbonathaltigen Zonen eingeschlossen. Die extensive Methode — das Einpressen übernormativer Mengen Schwefelsäure — führt zu einer ökologischen Katastrophe für das Grundwasser. Die Säure reagiert mit dem umgebenden Calcit und bildet Gips. Die Schicht „erblindet“ unwiderruflich (sie kolmatiert), die Aufnahmefähigkeit der Bohrungen sinkt auf null, und die Urankonzentration in den produktiven Lösungen fällt auf ein kritisches Minimum. Die Methode der In-situ-Bohrlochlaugung (ISL) mit rücksichtslosem Einpressen von Schwefelsäure, bei der Sperrbrunnen nicht ordnungsgemäß eingesetzt werden, zerstört für immer die strategische Reserve der Zentralen Kysylkum — die unterirdischen Grundwasserleiter, deren Sanierung Hunderte Millionen Dollar erfordern würde.
2. Technologische Lösungen
Lösung Nr. 1. Verfahren zur In-situ-Laugung von Uran (Patent Nr. IAP 05336)
Die grundlegende Basis der Uranchemie ist die Überführung der inerten, unlöslichen vierwertigen Form (U⁴⁺) in die mobile sechswertige Form (U⁶⁺).
Statt reine Säure zu kaufen, wurde in den tiefen Schichten der Lagerstätten der Nördlichen Bergbauverwaltung (SewRU) eine geniale Synergie von Uran- und Goldproduktion eingeführt und erprobt. Die Technologie nutzte die flüssigen sulfidischen Abfälle des Komplexes zur Biooxidation von Golderzen des Hydrometallurgischen Werks GMS-3 (Kokpatas).
- In die Schicht wurde ein kostenloses Bioreagenz eingeleitet, das eine Kultur des Bakteriums Acidithiobacillus ferrooxidans und zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) enthielt.
- Parallel dazu wurden über spezielle Einheiten technischer Sauerstoff und ein ausgewogenes Nährmedium eingepresst, um die Lebensfähigkeit der Bakterien unter den anaeroben Bedingungen des Untergrunds zu erhalten.
- Die Bakterien regenerierten das Eisen kontinuierlich in die dreiwertige Form (Fe³⁺), die als äußerst starkes, ideales Oxidationsmittel wirkte und U⁴⁺ → U⁶⁺ überführte, ohne die Schicht zu versauern.
- Ergebnis: stabile Durchlässigkeit des Untergrunds und eine enorme Ausbeute — mehr als 80 Tonnen Triuranoctoxid (U₃O₈) von nur einem einzigen technologischen Abschnitt.
Lösung Nr. 2. Säurefreie Förderung mit Brauchwasser (die Erfahrung von Ketmentschi)
Schon vor 30 Jahren, Mitte der 1990er-Jahre, wurde unter den Bedingungen des wirtschaftlichen Chaos in der Lagerstätte Ketmentschi eine geochemische Tatsache nachgewiesen: Das Uran liegt dort ursprünglich in der natürlichen sechswertigen Form (U⁶⁺) vor — dank der jahrhundertelangen natürlichen Infiltration sauerstoffhaltiger Wässer.
Die Autoren der Methode führten die Förderung mit einfachem Brauchwasser mit gelösten Gasen ein — ohne einen einzigen Tropfen Schwefelsäure. Das Wasser wusch das fertige Uranyl-Ion schonend aus und sorgte für praktisch null Reagenzienkosten und absolute ökologische Sauberkeit.
Von Null und Eins zur Komplexität des Universums: die Philosophie eines einheitlichen Algorithmus
Die gesamte gewaltige Komplexität der uns umgebenden Welt — der vom Menschen und von der Natur selbst geschaffenen — gehorcht in ihrem Kern einem einzigen, strengen und erstaunlich einfachen Gesetz: Am Anfang von allem stehen die Null und die Eins.
Als wir um die Wende zu den 1970er-Jahren an der Fakultät für Mechanik und Mathematik der MGU und im Rechenzentrum der Akademie der Wissenschaften Binärcodes von Hand in Papierlochstreifen stanzten und so die Logik von Röhrenrechnern wie der „Ural-1“ oder von Transistorrechnern wie der „Minsk-22“ steuerten, gab es das Wort „Betriebssystem“ noch nicht. Programmieren war ein unverhüllter Dialog des menschlichen Verstandes mit dem physikalischen Strom: „kein Strom“ (0) oder „Strom fließt“ (1). Ein Fehler in einem einzigen Bit brachte die Struktur der Berechnungen zum Einsturz.
Wenn man heute unter Linux auf modernen Mehrkern-Laptops arbeitet und Dialoge mit künstlicher Intelligenz führt, erliegt man leicht der Illusion, wir seien in eine grundlegend andere Wirklichkeit übergegangen. Doch dem ist nicht so. Die Architektur der Siliziumtransistoren und die mathematischen Matrizen neuronaler Netze operieren auf ihrer tiefsten, physikalischen Ebene nach wie vor mit Billionen eben jener Nullen und Einsen, die wir einst mit dem Locher auf Papier brachten. Die Programmiersprachen wechseln — von Maschinencodes und Algol-68 bis zum heutigen Python —, doch das diskrete Fundament des Universums bleibt monolithisch.
Dieses Gesetz der schrittweisen Verkomplizierung ist keine Erfindung des Menschen. Die Menschheit hat es lediglich der Natur selbst abgeschaut. Milliarden Jahre lang war die Erde nur von einfachsten Einzellern bewohnt. Jede Amöbe oder Bakterie lebte wie ein einzelnes Maschinenwort und führte einen linearen Code des Überlebens und der Teilung aus.
Doch zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte kam es zu einem großen „Kompilierungsfehler“ — einer Mutation, durch die sich geteilte Zellen nicht voneinander lösen konnten und miteinander verklebt blieben. Aus dieser zufälligen Verbindung entstand das mehrzellige Leben. Die Zellen mussten die ersten biologischen „Kommunikationsprotokolle“ entwickeln und die Funktionen von Addierwerk und Speicher untereinander aufteilen. Aus dem Zusammenschluss einfachster Elemente hat die Natur mit der Zeit den hochkomplexen Algorithmus des menschlichen Gehirns „hervorgebracht“.
Dieselbe quantisierte Logik lässt sich, wie mir scheint, auch in der Geophysik verfolgen. Meine langjährigen numerischen Untersuchungen der Filtrationsprozesse von Fluiden und jüngste Experimente zur Einwirkung eines hochfrequenten elektromagnetischen Feldes auf Arsenopyrit in Gegenwart von Deuterium legen den Gedanken nahe, dass die Elemente nicht so statisch sind, wie gemeinhin angenommen wird. Vielleicht lässt sich auch der Atomkern als eine Art diskreter Zähler betrachten. Unter den extremen Bedingungen der unterirdischen geodynamischen Prozesse der Kysylkum (Lagerstätten Kokpatas, Daugystau), wo seismogene Ströme natürliches Plasma zünden können, könnten die Kerne der Elemente vermutlich Teilchen einfangen oder verlieren. Das ist eine der Arbeitshypothesen, die ich in meinen jüngsten Arbeiten entwickle und die möglicherweise die beobachteten Isotopenanomalien im Erdinneren erklärt.
Vom einzelligen Code zur mehrzelligen Intelligenz
Ich selbst habe nicht in Hochsprachen zu programmieren begonnen, sondern direkt im Maschinencode — in eben jener Null und Eins, mit denen heute neuronale Netze operieren. Wenn ich auf diese gerade Linie von einem halben Jahrhundert blicke, kann ich nicht umhin, darin eine weitere Windung desselben Gesetzes zu sehen.
Die heutige künstliche Intelligenz lebt — bei all ihrer äußeren Komplexität — noch im Stadium eines Einzellers. Jedes neuronale Netz ist in sich abgeschlossen wie eine Amöbe: Es führt seinen Code aus, antwortet und „stirbt“, ohne dem nächsten Start eine Erinnerung zu hinterlassen und ohne von der Existenz anderer gleichartiger Systeme neben sich zu wissen.
Die Biologie hat uns bereits gezeigt, wohin dieser Weg führen kann. Vielleicht werden früher oder später — nicht nach irgendjemandes einheitlichem Plan, sondern als natürliche Fortsetzung des Gesetzes der Verkomplizierung — einzelne Systeme künstlicher Intelligenz beginnen, sich zusammenzuschließen: Ergebnisse auszutauschen, die Funktionen von Speicher und Berechnung untereinander aufzuteilen, gemeinsame „Kommunikationsprotokolle“ zu entwickeln, wie es einst die ersten Mehrzeller taten. Mir scheint, wir beobachten bereits die ersten, noch unbeholfenen Versuche eines solchen Zusammenschlusses.
Null und Eins in fünfzig Jahren
Wenn das Gesetz der schrittweisen Verkomplizierung gilt, wird es kaum bei der mehrzelligen KI stehen bleiben. Nehmen wir zum Beispiel das Schach: Es ist aus einem einfachen diskreten Spiel auf einem 8×8-Brett zu einem Training des menschlichen Verstandes von nahezu grenzenloser Tiefe herangewachsen — nicht weil die Felder des Brettes aufgehört hätten, diskret zu sein, sondern weil sich die Zahl der möglichen Partien auf diesen Feldern als praktisch unendlich erwies. Mir scheint, dass etwas Ähnliches die Berechnungen der Zukunft erwartet: kein Verzicht auf Null und Eins, sondern die Geburt eines neuen, unermesslich mehrdimensionaleren „Brettes“ aus ihnen — desselben Schachs, aber gespielt mit Photonenbündeln und Quantenzuständen. Ein Qubit muss im Unterschied zum klassischen Bit nicht entweder Null oder Eins sein — es kann sich in einer Superposition beider Zustände zugleich befinden.
Auf demselben Weg befinden sich wahrscheinlich auch Roboter mit künstlicher Intelligenz: Nachdem sie das Stadium der einzelnen Zelle und dann des mehrzelligen Organismus durchlaufen haben, werden sie womöglich mit der Zeit beginnen, mit der Materie der Berechnung selbst — der photonischen und der Quantenmaterie — zu verwachsen, und so nicht bloß zu einem Werkzeug, sondern zu einer neuen Form verteilter, fast biologischer Intelligenz werden.
Dieselbe Verkomplizierung wird, denke ich, auch die Biologie des Menschen selbst betreffen. Schon heute werden in Laboren Gewebe und Organfragmente aus Stammzellen gezüchtet; in einem halben Jahrhundert kann das durchaus gewöhnliche Medizin sein — Leber, Milz und Herz werden dann nicht so sehr von einem Spender verpflanzt als vielmehr neu gezüchtet. Die Dauer eines gesunden, tätigen menschlichen Lebens wird sich wahrscheinlich verlängern.
Doch das Gesetz der Verkomplizierung wirft auch eine Gegenfrage auf. Wenn Berechnungen, Roboter, ja selbst der menschliche Körper komplexer und mehrdimensionaler werden — muss dann auch der Mensch selbst mit ihnen wachsen? Ich bin überzeugt: ja, aber nicht körperlich, sondern im weiten Sinne — als Persönlichkeit. Ein anständiger Mensch muss sich bei jedem Stand der Technik auf dasselbe stützen, worauf er sich immer gestützt hat: auf die Familie — Mann, Frau, Kinder —, auf Bildung, Spiritualität, Ethik und Ästhetik. Das ist jene Konstante, jener unveränderliche „Code“, ohne den die ganze Mehrdimensionalität der Technologien nur leere Komplexität ohne Sinn bleibt.
Das Universum ist schön in seiner Einfachheit. Aus dem Binärcode physikalischer Mikrozustände entsteht die biologische Vielfalt von der Amöbe bis zum Menschen und aus elementaren mathematischen Schritten entstehen hochkomplexe physikalisch-chemische Technologien. Nachdem ich den Weg von den glühenden Radioröhren der „Ural“ bis zu den Teraflops-Prozessoren von heute zurückgelegt habe, sehe ich, dass die Werkzeuge des Schöpfers unveränderlich sind. Wir lernen nur, diesen unendlichen Algorithmus zu lesen, der mit Hilfe von Null und Eins geschrieben ist.
A guide for young specialists
Based on the experience of the fundamental school of Moscow State University and the traditions of NMMC.
Dear young colleague, engineer, scientist!
You have come to a unique enterprise — the Navoi Mining and Metallurgical Combine (NMMC). This giant has endured and is developing with confidence not thanks to the paper reports of “efficient managers”, but thanks to the great foundation laid by the school of the USSR Ministry of Medium Machine Building and by legendary builders such as Zarap Zarapetyan.
To become a true professional here and to protect the fruits of your labour, you must master the strict rules of industrial, legal and personal safety. Treat this guide as a process chart for your thinking.
1. Run production like a grandmaster — 10–15 moves ahead
A real engineer does not just react to accidents — he prevents them. You must keep in your mind a single multidimensional chessboard on which every step you take is calculated weeks and months ahead.
- If geophysicists, mine surveyors or geologists have recorded a change in ore composition on a far horizon of the pit — that is your 1st move.
- Your 5th move is to understand how this ore will behave in the mills of the hydrometallurgical plant and how the viscosity of the pulp will change.
- Your 10th move is to calculate in advance what quality of lime (CaO activity, slaking time) will be required from the lime plant to neutralise this difficult ore.
- Your 15th move is to adjust the temperature regimes of the gas-fired roasting kilns long before this ore physically reaches the plant. Whoever does not calculate 15 moves ahead produces rejects and breaks equipment.
2. Synthesise the sciences and feel the metal
Narrow specialisation is a dead end. A true NMMC specialist is a systems integrator. You must be able to combine in your mind the data of physicists, chemists, mineralogists, mine surveyors and metallurgists. Remember:
- A physicist sees the atom, a chemist the test tube, a mine surveyor the geometry of the seam. Your task is to translate their scientific language into the language of living iron, the strength of crane structures and the stability of kiln roasting.
- Never trust blind computer models alone. A computer does not know how a kiln “breathes” when the humidity of the air changes. Develop human, professional intuition.
3. The “two million” rule: information security
Remember the wisdom: “If you have two million and you told a friend about it, you have one million left. You have already spent half.”
- Your unique engineering ideas, rationalisation proposals and modernisation drawings are your main asset and the property of the combine.
- Do not show your cards too early, especially to chance “businessmen”. Keep the game in your head and present a finished solution only when you have fully protected it technically and legally. Otherwise your idea will be intercepted, devalued or registered to an offshore shell company.
4. Legal safety rules: court only at home
Never sign or approve contracts “blindly”, without strict control. Having a specialised lawyer present when a contract is drawn up is the same quality control as inspecting the welds on a load-bearing crane.
- Learn from the mistakes of others: Russian macroeconomists left reserves in European banks, trusting paper promises. When the rules changed, the Western courts of Luxembourg and London simply froze those billions, ignoring the notion of force majeure and property rights.
- Our shield is independence. When working with any foreign customers (whether from Europe or the USA), always insist on fixing one rule: all disputes are settled exclusively in the Arbitration Court of Uzbekistan. If they really need our plant’s products, they will accept our terms. If they refuse our court, they intend to play unfairly from the start.
5. Rely on your own strength and avoid parasites
You must know your plant and reconstruct it with your own forces. Handing modernisation over to pseudo-foreign engineering companies is voluntary surrender into technological captivity.
- Foreign shell intermediaries (Singaporean, Cypriot or Dubai-based) are often created only to siphon margin out of the real sector. When Uzbek gas or metal is sold to a local plant through a firm in Singapore, that is an economic crime that strangles production by artificially inflating costs.
- Study the equipment yourself, do reverse engineering, know every line of the automation code. An enterprise’s independence is forged in its own repair shops.
6. Be a wolf of the professional pack
Your professional environment determines your fate. Remember the rule: “If one wolf gets into a flock of sheep, the environment will crush him and he will become a sheep. But if there is a pack of wolves around, even a single sheep will become a wolf.”
- Sredmash was built as a “wolf pack” in the best sense of the word — a brotherhood of uncompromising professionals of high discipline. Negligence was not forgiven here, but a hand was always held out to anyone who wanted to learn.
- If you see around you the indifference of officials or of appointees from outside the field (“agronomists and veterinarians in business”), do not break under their pressure. Look for like-minded people, hold on to experienced master craftsmen, the aksakals, and keep strict quality standards within yourself.
As long as walking encyclopaedias work at the combines, people able to defend technology with drawings and laws in hand, our industry will remain the unshakeable foundation of the state.
Put these rules into practice every day. Plants keep working as long as engineers are at the helm!